Der Domschatz von St. Stephan DeutschрусскийEnglish

Rudolf der Stifter
Das kunsthistorisch bedeutendste Objekt in dieser Ausstellung ist sicherlich das Portrait Herzog Rudolfs IV., genannt der Stifter. Rudolf wurde 1339 in Wien geboren, und starb 1365 in Mailand. Obwohl er also nur beinahe 26 Jahre alt wurde, hat er die Bedeutung Wiens nachhaltig geprägt. Sein bis heute am deutlichsten sichtbares Werk ist die Grundsteinlegung von 1359, die mit dem Südturm von St. Stephan in Verbindung gebracht wird – dem bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.

Rudolf stammt aus der aufstrebenden Familie der Habsburger. Er ist mit Katharina von Luxemburg verheiratet, einer Tochter Kaiser Karls IV.. Während Prag unter Karl zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum wird, lässt Rudolf Wien zur prächtigen Residenzstadt ausbauen. Dem Vorbild seines Schwiegervaters folgend gründet er auch in Wien eine Universität. Sein Plan, ein eigenes Bistum zu errichten, scheitert dagegen. Der Papst billigt ihm jedoch die Einrichtung eines unabhängiges Kollegiatskapitels zu – die Keimzelle der heutigen Erzdiözese Wien.
 
Die Domkirche St. Stephan zu Wien
Bereits lange vor dem Bau der ersten Kirche an dieser Stelle dürfte es dort, wo sich heute der Stephansdom über Wien erhebt, eine römische Gräbersiedlung gegeben haben. Im Jahr 1137 legte der Babenberger-Herzog Heinrich II. Jasomirgott den Grundstein zu einer ersten, dem Hl. Stephanus geweihten Kirche. Von dieser hat sich jedoch kaum etwas bis in unsere Zeit erhalten.

Ein Nachfolgerbau entstand bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf den Fundamenten der alten Kirche. Das Westwerk dieser spätromanischen Basilika existiert noch heute und kann im Rahmen der Domschatz-Ausstellung besichtigt werden.

Unter Albrecht II. wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit dem Bau des gotischen Chores begonnen. Sein Sohn Rudolf IV. legte schließlich 1359 den Grundstein für den Südturm und das gotische Hauptschiff, welches in den folgenden Jahrzehnten um die alten romanischen Kirchenmauern herum errichtet wurde.

Ebenfalls auf die Herzöge Albrecht II. und Rudolf IV. gehen die doppelstöckigen Kapellenanbauten seitlich des romanischen Westwerks zurück. Die obere südliche, den Hll. Bartholomäus und Georg geweihte Kapelle war zur Aufbewahrung der Reichskleinodien vorgesehen gewesen, hat diese Funktion jedoch nie erfüllt. Die obere nördliche Kapelle dient seit dem Jahr 1900 der Aufbewahrung der Reliquien des Stephansdomes.
 
Mittelalterliche Graffiti

Bei der Restaurierung der Reliquienkapelle 2012 und 2013 machten die Arbeiter der Dombauhütte einen Fund, der unter Archäologen für großes Aufsehen sorgte: Unter dem Wandputz beidseits der Eingangstür fanden sich wilde Kritzeleien, die wohl im Jahr 1479 von Mitgliedern einer studentischen Verbindung hinterlassen worden waren.

Diese mittelalterlichen Graffiti berichten uns in vielen pikanten Details vom Ablauf eines damals üblichen Initiationsrituals: Mit Narrenkappe und Eberzähnen ausgestattet musste der Aufnahmewillige – in diesem Fall der spätere Leiter der Wiener Niederlassung des Handelshauses Fugger, Hieronymus Kießling – Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Erst nachdem ihm auf mehr oder weniger rabiate Art und Weise die tierischen Beigaben wieder entfernt worden waren, er also die Wandlung vom Tier zum Menschen vollzogen hatte, wurde ihm das Salz der Weisheit gereicht, womit er als für das Studium würdig befunden wurde.

Typar des Siegels für das
Wiener Domkapitel

zwischen 1360 und 1365 (großes Bild links)

Bartholomäus-Kapelle 

Blick in das Hauptschiff

Mittelalterliche Graffiti
Dezember 1479

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Kirchenmeisteramt der Domkirche St. Stephan zu Wien | Stephansplatz 3 | 1010 Wien | Telefon: +43 1 51552-3054 | info@der-domschatz-kehrt-zurueck.at
Graphikdesign: Roman Gerhardt | www.kailuweit-kultur.com